Hagar


Auch sie ist ein Teil von uns, ein Teil von der Frau in mir.

PONS S. 71

הָגָר

Hagar

PONS S. 60

גרה

Streit verursachen

Wenn wir die Reihenfolge der Buchstaben tauschen, ergibt sich das, was geschehen ist, nachdem sie zur Nebenfrau geworden ist. Es kommt zu Streitereien zwischen Hagar und Sara, später zwischen ihren beiden Söhnen.

1 Mose 16,6      Als nun Sarai sie demütigen wollte, floh sie von ihr.
                    7     Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach                                    Schur.
                    8   
Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner                           Herrin, geflohen.
                    9    Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand.

Es geht um das ‚demütigen‘, einmal um das Demütigen, indem ich die andere Person erniedrige und entwürdige, abwerte, entwerte. Zum anderen das sich beugen und anerkennen den Platz, an den mich der Vater im Himmel hingestellt hat.

„Gedemütigt werden“. Was bedeutet Demütigung

Lt. Wikipedia

Demütigung ist die den Selbstwert, die Würde und den Stolz angreifende beschämende und verächtliche Behandlung eines Anderen, oft auch im Beisein anderer Personen. Demütigung kann Ausdruck einer gezielten Aggression oder Provokation sein.

Auch ein mit dem Gefühl des Scheiterns oder einer Niederlage verbundener Misserfolg wird oft als Demütigung aufgefasst (vgl. Hochmut).

 

Ihr Gegenteil ist die Ehrung.

1 Mose 16,1    Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische  Magd, die hieß Hagar.

Mit dieser Bibelstelle erhalten wir die Basisinformation unserer  inneren Hagar

·         Herkunftsland: Ägypten, hebr. Mizraim

·      Beruf: Magd, Sklavin

PONS S. 187

מִצְרַיִם

Mizraim (Ägypten)

PONS S. 187

מֵצַר

Angst, Bedrängnis

PONS S. 71

הָגָר

Hagar

PONS S. 60

גרה

Streit verursachen


Hagar, die Magd in mir

Lexikon zur Bibel S. 684-686 (auszugsweise)

Als Knecht bzw.  Magd wurden die leibeigenen  Sklaven bezeichnet, und zwar in Israel zunächst diejenigen fremder Abkunft (z.B. Elieser von Damaskus: 1 Mo 15,2; Hagar aus Ägypten: 1 Mo 16,1). Sie waren im Krieg gefangen (4 Mo 31,9.18.26; 5 Mo 21,10ff), von ausländischen, vielfach phönizischen Sklavenhändlern gekauft worden (1 Mo 17,27; 3 Mo 25,44-46) oder im Haus geboren, d.h. von Geburt Sklaven (1 Mo 14,14; 17,12; Pred 2,7)- Die Versklavung ergab sich in allen diesen Fällen aus einem allgemein anerkannten Gewohnheitsrecht (Kriegs- und Eroberungs- bzw. Kauf- und Besitzrecht)

 

Knecht oder Magd (Lk 1,38.48) heißt der Mensch auch in seiner Stellung vor Gott. Als Selbstbezeichnung in der Gebetsanrede (4 Mo 11,11; 1 Sam 3,9; 1 Kön 8,28; Apg 4,29) drückt es Gehorsam und Hingabe aus (Offb 1,1; 7,3; 22,6)

Unsere Frau in mir sieht sich als Magd vor dem Vater im Himmel. Ein Beispiel für Gehorsam ist Maria, die auserwählt wurde, die Mutter von Jesus zu werden.

Lukas 1,38           Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du  gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Lukas 1,47     und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; 
                        48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

                        Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. 

Offb 1,1               Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen                              soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan,

Offb 7,3       Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden, bis wir  versiegeln die Knechte unseres Gottes an ihren                            Stirnen.

Offb 22,3     Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes und des  Lammes wird in der Stadt sein, und seine                                Knechte werden ihm dienen

Anstelle von Knecht dürfen wir Magd einsetzen bzw. hinzufügen. Als Magd oder Knecht des Vaters im Himmel geht’s uns gut. Doch da ist die andere Seite. In dieser Welt gibt es im großen und ganzen keine leibeigenen Sklaven mehr. Dennoch ist das Thema Sklaverei in unserem Leben recht präsent. Es genügt schon, wenn wir uns selbst versklaven.

Synonyme hierfür:

·         Druck, Plage, Zwang, Unterdrückung

·     Joch, Unfreiheit

·     Abhängigkeit, Hörigkeit

·     Anstrengung, Knochenarbeit, Plackerei, Qual, Quälerei, Mühsal

·     Bevormundung

Findest du dich darin wieder? Wir Menschen neigen doch sehr dazu, uns selbst unter Druck zu setzen. Kommt dann der Erwartungsdruck von außen hinzu, dann wird es anstrengender, mühseliger. Wir fangen an, uns zu quälen, rutschen in eine Abhängigkeit und Hörigkeit und verfügen so im Laufe der Zeit nicht mehr über unseren eigenen Willen. Das bedeutet: wir werden fremdgesteuert.

Wer steuert uns eigentlich? Wer übernimmt gerne die Kontrolle über uns? Das sind in der Regel unsere Gedanken und Gefühle, die uns so Spielball machen. Eine Folge: wir machen unser Umfeld, unsere Umwelt und die Umstände dafür verantwortlich. Also alles, was um uns herum sich befindet. 

Laßt uns diese Begriffe einzeln nochmals näher betrachten:

Umfeld  > Um-Feld – die umliegenden Felder

Umwelt > Um-Welt – die Welt um unsere Welt

Umstände / Umstand > die Stände um uns unseren Stand herum

Wir spüren: in uns entwickeln sich Neid, Eifersucht, Konkurrenzdenken, wenn wir mit unseren Augen umschauen und die anderen Felder betrachten. Warum  geschieht das? Wir haben uns vom eigenen „Ackerfeld“, was auch Aufgabenfeld genannt werden kann, abgewendet. Wir glauben beispielsweise, unsere Aufgaben seien viel zu gering, um Anerkennung zu bekommen, irgendeinen Erfolg zu sehen. 

Welche konkreten Gründe auch immer vorliegen, es liegt in unserer eigenen Hand, wieder zu einer Magd vor dem Vater im Himmel zu werden. Das befreit uns auch von der Demütigung, die wir uns selbst zufügen.  An diesem Punkt müssen wir zuerst ansetzen. Wir müssen damit aufhören, uns selbst verbal zu erniedrigen, indem wir schlecht über uns denken. Dann können wir zumindest besser mit dem negativen Reden, die unser Umfeld über uns äußert, um einiges besser umgehen.

Gute Arbeitgeber achten auf die Würde ihrer  „Untergebenen“, ihrer Angestellten. Das macht es uns leicht, uns unter die Hand des Vaters im Himmel zu demütigen.

Lexikon zur Bibel S. 238/239)

Das deutsche Wort „Demut“ ist ein aus „dio“, Knecht, Diener, und „muot“, Gesinnung, zusammengesetzter Begriff und bezeichnet die Gesinnung eines Dienenden oder den Mut zum Dienen.  Demut meint keine passive Unterwürfigkeit, sondern eine aktive, mutige Handlung. Der Hochmütige hält mehr von sich, als er in Wirklichkeit ist. Demut bedeutet nicht, sich kleiner zu machen als man ist, sondern konsequente Bekenntnis zur eigenen Niedrigkeit, also zu der Stellung, die man vor Gott hat (für Jesus:  zum angenommenen Menschsein)

 

Die Demut ist eine Art Aufrichtigkeit, ein Stehen in der Wahrheit. Dem, der seine Niedrigkeit nicht einsieht und anerkennt, kann Gott nicht sein Alles werden: „Den Demütigen gibt er Gnade“ (1 Petr 5,5; Jak 4,6) und läßt es den Aufrichtigen gelingen (Spr 2,7)

Es ergibt sich die Frage, die jede/r  für sich selbst beantworten muß: Welche Stellung  habe ich vor Gott?

Wenn ich das für mich beantwortet habe, dann folgt der  nächste Schritt: Die Annahme. 

Welche Stellung habe ich vor ihm? Das Menschsein.  Und genau dieses muß ich annehmen. Als zweites auch das Aufgabenfeld, in das mich der Vater im Himmel gestellt hat.  Und nicht mehr nach dem schielen, was andere tun.  Er teilt uns die Aufgaben zu entsprechend der Gaben und Fähigkeiten, mit denen er uns von Anbeginn unseres Lebens ausgestattet hat.

Auf diese Weise bleiben wir in unserem Stand, der für jeden einzelnen von vorgesehen ist. Wir bleiben innerhalb unseres Aufgabengebietes und führen die Anweisungen des Vaters im Himmel mit einem treuen und liebenden Herzen aus. 

Was sagt denn unsere Hagar dazu?

Hagar: Also, nun,  ich habe meine Stellung vor Gott, vor dem Vater im Himmel angenommen und habe mich unter die Hand von Sara gebeugt. Das einzige Manko war, daß sie nach wie vor garstig zu mir gewesen ist. Bevor ich mit Ismael später von ihr und Abraham fortgeschickt wurde. 

Frau in mir: Was hat das mit mir zu tun? Wie konntest du es so lange dort aushalten? Deine Seele wurde doch ganz schön verletzt durch diese häufigen Demütigungen.

Hagar: Es ging / geht darum, zu lernen, was Demut wirklich heißt.

Frau in mir: Und was bedeutet das ganz genau?

Hagar: Erstens, daß ich ein Mensch bin. Zweitens: eine Magd mit einem bestimmten Aufgabengebiet. Drittens: ich bin eine Magd vor Gott, dem Vater im Himmel, der mich zur Seite von Sara gestellt hat, um ihr eine Hilfe zu sein, ihr zur Hand zu gehen.

Frau in mir: Was bedeutet das genau für mich persönlich?

Hagar: Daß du genau an dem richtigen Platz bist, den der Vater im Himmel dir zugeteilt hat. Die einen gehen dem Vater im Himmel direkt zur Hand. Andere wiederum dürfen / sollen Menschen mit ihren Fähigkeiten unterstützen usw. und so fort.

Frau in mir: Verstehe. Und wenn ich so nachdenke, dann bin ich ja bereits an meinem Platz, an dem Ort, wo ich für den Vater im Himmel dienen darf. 

Hagar: Ganz genau. Genau genommen, ich bin es ja, die schon lange an ihrem Platz ist. Nur….

Frau in mir: Nur daß du dich gegen Sara erhoben hast und Streit ausgelöst hast.

Hagar: Ja. Ich hielt mich für etwas besseres, nachdem ich mit Abraham schlafen durfte / sollte / mußte und ich sein Kind gebar. Da habe ich gedacht, ich wäre jetzt die Frau an seiner Seite. Mein Herz hat sich erhoben und habe angefangen, selbst nun auf Sara herabzusehen, anstatt sie zu achten und zu respektieren. Ich habe meine ursprüngliche Stellung verlassen, gedanklich, obwohl ich nach wie vor Magd geblieben bin.

Frau in mir: Die Gedanken und Gefühle haben ja ganz schön viele Tricks, um uns dahin zu führen, wo wir eigentlich nicht sein sollten, dennoch aber trotzdem dann dort landen. 

Hagar: Unsere Augen sind es, die uns verführen.

Frau in mir: Ich würde eher sagen, sie sind Teil von dem Verführen.

Sara: Wenn ich mich hier einmischen darf; auch meine Augen haben mich verführt, und zwar um die Erfüllung des eigenen Sohnes anzuschieben, weil ich bis dahin noch unfruchtbar war.

Eva: Und ich wollte so sein wie Gott, wie der Vater im Himmel. Und es waren meine Augen, die dazu beigetragen haben, daß ich die Verlockung angenommen habe.

Frau in mir: Der Schlüssel sind tatsächlich unsere Augen. Wir sehen etwas.

Hagar: Damit sind wir wieder bei den Umständen, bei den umliegenden Lebensfeldern unserer lieben Mitmenschen.

Eva: Wir fangen an zu vergleichen.

Frau in mir: Und das ist ein fataler Fehler. Jede/r hat seine eigenen Qualitäten, seinen eigenen Lebensstil usw. 

Hagar: Das stimmt. Wir sollten endlich lernen, wieder bei uns selbst zu bleiben. 

Frau in mir: Du hast recht. Dieser Gedanke hätte auch von mir sein können. Das Problem ist, wir leben nun mal körperlich in dieser Welt mit seinen Systemen. Und diese enthält nun mal viele Verlockungen.

Hagar: Die Welt. Verhält sie sich nicht wie das Ägypten, als die Israeliten später dort Frondienst leisten mussten?

Frau in mir: Ja. Stimmt. Wir müssen auch auf eine gewisse Art Frondienst leisten.

Hagar: Wir fangen damit, uns nicht mehr selbst zu versklaven.

Frau in mir: Ja, da hast du recht. Und ich fange bei mir selbst an, dich als Magd vor dem Vater im Himmel zu akzeptieren und respektieren.

Hagar: Ich danke dir, und ich höre damit auf, nicht mehr auf andere herabzusehen und keinerlei Streit mehr zu verursachen.

Wir integrieren unsere innere Hager wieder in unser Leben, in das Leben der Frau in mir und gehen liebevoll mit ihr um. Doch da ist noch der Aspekt ihrer Herkunft. Die Bibel erzählt, daß sie aus Ägypten stammt, und nicht aus irgendeinem anderen Land.

PONS S. 187

מִצְרַיִם

Mizraim (Ägypten)

PONS S. 187

מֵצַר

Angst, Bedrängnis

Den hebräischen Buchstaben nach (siehe Tabelle) bedeutet Ägypten wohl „Angst, Bedrängnis“. Wie wir wissen, Israel lebte während der Zeit des Frondienstes in ständiger Angst und Bedrängnis. Kurz bevor die Bibel die Herkunft Hagars erwähnt, erfahren wir über den kommenden Frondienst der Nachkommen Abrahams.

Auf uns übertragen: wir werden zum Dienen gezwungen. Wir befinden uns in einer Abhängigkeit, geraten in Angst und Bedrängnis, weil die Arbeitsbedingungen dieser Welt sehr hart sind. Das wiederum führt dazu, wir fangen an, wieder an Gott, d. h. unseren Vater im Himmel zu denken. Er ist es ja, der uns Leben leiten möchte, für uns sorgen.

Auf diese Weise erkennen wir auch, wem wir in Wirklichkeit gerne dienen möchten, und zwar unserem Vater im Himmel. Und das jede/r auf seine/ihre Weise, entsprechend der Aufgaben, zu der er uns berufen und gerufen hat.

Dienen in Angst. In der Welt haben wir heutzutage oft Angst, unseren Arbeitsplatz zu verlieren, um es auf das Thema Magd zu beziehen. An vielen Arbeitsplätzen wird heutzutage auch oft gemobbt. Wir geraten in Bedrängnis, in Nöte (seelisch, finanziell, ….).

Doch wenn unsere innere Hagar eine treue Magd vor unserem Vater im Himmel geworden ist, so kann sie dieses Gebaren in der Welt nicht mehr erschüttern. Ihr Herz / unser Herz ist mittlerweile fest genug, so daß sie einen Arbeitsplatzwechsel leichten Herzens annehmen kann und an einem anderen Ort für ihre Vater im Himmel im Einsatz ist.

Wir müssen nicht mehr „festkleben“ für 40 Jahre und länger in einer Firma. Solche Zeiten sind nun mal leider vorbei. Und da die Rente wohl doch nicht mehr so sicher scheint bzw. auch nicht gerade üppig ausfällt, ausfallen wird, bleibt uns nur der eine Weg: Wir lassen uns vom Vater im Himmel versorgen. Wie er das macht, müssen wir ihm überlassen. Und ebenso gut ist es, wenn wir im nahen Umkreis in der Nachbarschaft uns gegenseitig versorgen und unterstützen helfen – jede/r so wie er/sie kann.

Noch etwas zum Schluß: Hagar bedeutet ja ‚Streit verursachen‘. Das wollen wir ja nicht mehr. Auch nicht auf andere herabsehen usw.

Hagar: Darüber habe ich ein schlechtes Gewissen. Es tut mir wirklich leid.

Frau in mir: Vergebung. Ich vergebe dir gerne. Und für dich gilt dasselbe. Der Schuldbrief mit seinen Forderungen ist endgültig getilgt

Vater: Und die Mächte und Gewalten sind ihrer Macht entkleidet. Das bedeutet, dein Gewissen hat keine Macht mehr über dich, erst recht nicht mehr das schlechte Gewissen.

Kol 2,15          Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph                              aus ihnen gemacht in Christus.


Nach der Integration:

Die Hagar in uns ermöglicht uns,

als echte Mägde / Dienerinnen des Vaters im Himmel,

uns da einsetzen zu lassen, wo unsere Gaben und Fähigkeiten gebraucht werden.


Copyright:  Silke Maisack