Themen:

Der Neid der Brüder

In Ägypten: seine einzelnen Stationen



Josef

1 Mose 37;39-50


Einleitung

Josef, der erstgeborene Sohn, den Rahel ihrem Jakob geboren hat. Und dieser erlebt da schon einige  Höhen und Tiefen in seinem jungen Leben. Und alles beginnt mit einem Traum, den er hatte, genauer gesagt mit zwei Träumen.

Doch erst einmal verschaffen wir uns einen Überblick:

Steckbrief Josef: 

o   Alter: 17 Jahre

o   Aufgaben: 

§  Hirte bei den Schafen mit seinen Brüdern

§  Gehilfe bei den Söhnen der Nebenfrauen Bilha und Silpa

§  Spitzel

o   Kleidung: bunter Rock, von seinem Vater Jakob gemacht

o   Gaben:

§  versteht Träume auszulegen

§  Bleibt dem Vater im Himmel treu in allen Lebenslagen

§  Hat seinen Brüdern längst vergeben, weil er weiß, daß alles, was geschehen ist und geschieht zu den Plänen unseres Vaters im Himmel gehört


Träume

Es gibt verschiedene Arten von Träumen. Da haben wir zum einen unsere Lebensträume, die wir gerne verwirklichen möchten. Wunschträume, lt. Internetdefinition eine Vorstellung, die sich leider nicht verwirklichen lässt, aber die man sich sehnlich wünscht. Diese Art von Träumen scheitert wohl eher daran, daß das Leben ganz andere Pläne mit uns hat

Bei Josef allerdings geht es um eine völlig andere Art von Träumen. Träume, die bestimmte Botschaften enthalten. Damals wie heute gibt es Menschen, die in der Lage sind, die Träume auszulegen. Wobei im Prinzip auch du es selber kannst. Es bedarf ein wenig der Übung.  Außerdem gibt ja  Internetseiten wie „traumdeuter.ch“  zum Thema Traumdeutung.

Wichtig, daß du das, was du träumst, geträumt hast, die wichtigsten Erlebnisse, soweit du dich daran erinnerst, aufschreibst. Dann überlege dir, was du persönlich mit den einzelnen Symbolen (z.B. Haus, Wasser, Tiere usw.) in der wachen Welt verbindest. Emotionen spielen auch eine Rolle. 

Träumst du wiederholend einen Traum mit derselben Botschaft, dann möchte dich dieser auf bestimmte Themen in deinem Leben hinweisen, die du bereinigen sollst, damit du dich weiterentwickelst.  So ging es mir einige Zeit, bis ich meine Themen aufgearbeitet habe.

Manchmal jedoch haben wir Träume, mit denen wir ganz und gar nichts anfangen können.  Mehr möchte ich jetzt nicht darauf eingehen. Bei Josef geht’s um Träume ganz anderer Art. Sie zeigen etwas künftiges, was in naher Zukunft liegt. Damit umzugehen ist nicht einfach, gerade wenn wir die Auslegung dazu kennen.


Josef, ein Träumer?

Ist Josef trotzdem ein Träumer. Nein, er ist kein Träumer. Ob er sich zwischendurch Wunschträumen hingegeben hat, wissen wir nicht. Das geht aus der Bibel nicht hervor. Von einem Lebenstraum, den er verwirklichen wollte, lesen wir auch nichts.  Dennoch träumt er zweimal, die dieselbe Botschaft enthalten:

Erster Traum  1 Mose 37,7

Zweiter Traum 1 Mose 37,9

Auf dem Feld: seine Garbe richtet sich auf, die Garben seiner Brüder stellen sich um ihn herum und neigen sich vor ihm

Sonne und Mond ; 11 Sterne neigen sich vor ihm

Wir wissen, er hat 11 Brüder. Und dieser Traum geht erst in Erfüllung, als er in Ägypten den Posten des Vizekönigs innehat.

Ob er da schon ahnte bzw. ihm klar war, welche Position er einnehmen würde gegenüber seiner Familie, schon möglich. Und dachte sich dabei, das gehe jetzt, also zeitnah, in Erfüllung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie schon erwähnt, erfüllen sich seine beiden eigenen Träume erst in Ägypten. Damit kommt auch der Plan des Vaters im Himmel ein Stück weiter zu seinem  Ziel.

Seinem Urgoßvater Abraham zeigte unser Vater im Himmel, auch in einem Traum, seinen Plan (1 Mose 15). Und nun ist diese Zeit gekommen, in Ägypten Abrahams Nachkommen zu einem großen Volk heranwachsen zu lassen.  Einige Kapitel später lesen wir von Hungersnot in Kanaan und dem Umzug Jakobs mit seinem gesamten Hab und Gut nach Ägypten.

Wir sehen, der Vater lenkt also die Geschichte. Er ist der große Geschichtenschreiber, mit uns als Figuren. Er hat bereits alles bestens vorbereitet. Nichts geschieht ohne Zufall. Auch das Böse, das wir in der Welt erleben, bleibt nicht dem Zufall überlassen. Alles ist wohldurchdacht.  Er bringt seinen Plan, den er hat zum Ziel.

Zwischen den Träumen, die Josef in Kanaan träumte und seiner Stellung in Ägypten liegt ein erzieherischer Weg. Wie er sich dabei fühlte, das steht sozusagen auf einem anderen Blatt.

Im Falle von Josef führt eine größere Hungersnot seine Familie nach Ägypten.  Zuvor muß unser Vater im Himmel den Josef nach Ägypten bringen, um ihn dort später in Stellung zu bringen, wie man so schön sagt.

Josef landet also in Ägypten, muß aber dort weitere Höhen und Tiefen erleben. So gesehen dient das alles zur Erziehung und Ausbildung.  Nur erkennen wir das zumeist im Rückblick auf die Vergangenheit. Denn im Traum gab es keinen Hinweis, was er noch all die Geschichte erleben würde, die wir in der Bibel lesen dürfen über ihn.

Bis zur Erfüllung seiner Träume war es noch ein weiter und vor allem steiniger Weg. Da sieht es bei den anderen 3 Personen, denen unser Josef die Träume auslegen durfte ganz anders aus. Bei allen dreien erfüllte sich der jeweilige in einem sehr nahen Zeitraum.

Wir sehen, die Erfüllung von diesen Träumen geschieht zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Insgesamt dürfen wir eines daraus lernen, wenn der Vater im Himmel sich uns im Träumen offenbart, wie er sich dem Josef und den anderen dreien offenbart hat: Wir lassen sie einfach für sich stehen, bis sie sich von alleine erfüllen. 

Was geschieht bis zur Erfüllung? In der Zwischenzeit leben wir unser Leben weiter, achten auf unsere persönliche Weiterentwicklung. Denn der Vater im Himmel ist es, der uns die richtigen Türen öffnet, und die  „falschen“  schließt. So auch Josef, der Bäcker und der Mundschenk. 

Das war ein Ausflug zum Thema Träume. Wir beginnen mit Josef im Land Kanaan und lassen uns hineinnehmen in seine Gedanken und Emotionen an den verschiedenen Stationen seines Lebens.


Der Neid der Brüder

Der Grundstein für sein Leben und seine Lebensgeschichte wurde schon in seiner Herkunfts-Familie gelegt.  Es beginnt mit der Beziehung zwischen ihm und seinem Vater Jakob, der ihn ganz schön verwöhnt und vor allen anderen bevorzugt.

1 Mose 37,3  Israel aber hatte Josef lieber als alle seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war, und machte ihm                               einen bunten Rock.
                   4  Als nun seine Brüder sahen, dass ihn ihr Vater lieber hatte als alle seine Brüder, wurden sie ihm Feind                             und konnten ihm kein freundliches Wort sagen.

Ich bin überzeugt, wenn in deiner Familie dein Bruder oder deine Schwester mehr Aufmerksamkeit bekommt und richtig verwöhnt wird, da wirst du genauso neidisch und eifersüchtig, so daß du wohl alles tun würdest, damit das Ende hat, und er / sie am besten nicht mehr am Leben wär.

Auf der anderen Seite, möglicherweise gehörst du selbst zu denen, die von den Eltern bevorzugt und entsprechend verwöhnt. Das ist zwar schön, doch macht dich das lebensfähig, wenn du mal in Situationen kommst, in denen du handeln und agieren mußt? Denn bis dahin wurden dir ja alle potentiellen Probleme von den Eltern für dich ausgeräumt.

Der verwöhnte Josef setzt noch eins drauf, weil er sich wohl für etwas Besonderes hält:

1 Mose 37,5 Dazu hatte Josef einmal einen Traum und sagte seinen Brüdern davon; da wurden sie ihm noch mehr                              Feind.
                    6 Denn er sprach zu ihnen: Hört doch, was mir geträumt hat.

Es geht jedoch wie immer um unseren inneren Josef  bzw. um die inneren Geschwister. Was machen wir mit dem verwöhnten Josef? Wie gehen wir mit seinen Brüdern um, die von seinem Verhalten genervt sind und aggressiv reagieren?

Das ist anfangs wahrlich nicht leicht. Es ist ja schön, verwöhnt zu werden bzw. verwöhnt worden zu sein. Auf den ersten Blick ist das verwöhnt werden nichts Anstößiges. Im positiven Sinne geht’s darum, unsere Seele zu verwöhnen, ihr etwas Gutes zu tun nach einem anstrengenden Tag. Die Geschichte mit Josef zeigt uns den negativen Aspekt auf.

Verwöhnte Menschen sind es nicht, oder weniger gewohnt, hart zu arbeiten. Und sie sind nicht so bodenständig, weil sie von den Eltern auf einen Sockel gehoben werden.  Wir fühlen uns in unseren inneren Josef hinein und lassen seine Gedanken und Emotionen fließen an jeder Station seines Lebens:

1)      Im Brunnen

2)     Verraten und Verkauft (an die Ismaeliter)

3)      In Ägypten

a.     Auf dem Sklavenmarkt

b.      Im Haus des Potifar

c.      Die Frau des Potifar

d.      Im Gefängnis

e.      Im Gefängnis > Der Bäcker und der Mundschenk

f.       Vor dem Pharao

g.      Eine neue Aufgabe und ein neuer Name

h.      Eine eigene Familie

i.       Begegnung mit seinen Brüdern

j.       Wiedersehen mit seinem Vater


Im Brunnen

Wir nehmen die Szene, als Josef zu seinen Brüdern kommt, um im Auftrag seines Vaters nach ihnen zu sehen, um anschließend wieder Bericht zu erstatten.

Ganz schön dunkel hier drin. Was ist denn nur geschehen? Ich habe meinen Brüdern doch nichts getan, oder etwa doch? Was wollen die von mir? Mich töten? Wahrscheinlich habe ich es auch nicht anders verdient. Wenn ich sie so reden höre, ich glaube, die haben recht. Ich bin kein König, und neigen werden sie sich auch nicht vor mir. Das was ich da geträumt habe, das waren Wunschträume. Ich bin nur einer von vielen.

Da, hört sich das nicht an wie Kamelhufe? Das ist vielleicht meine Rettung. Nur weg von hier und meinen Brüdern. Ich haue ab. Bloß wie komme ich aus dem Brunnen, der ist höher als ich.

Josef fängt an mit sich selbst zu hadern. Auch wir, wenn wir in eine solche mißliche Lage kommen. Zweifel kommen auf. Und das ist eigentlich gar nicht mal so schlecht. Im Gegenteil, wir entwachsen langsam dem Einfluß der Eltern, die uns ständig den Weg ebnen, anstatt uns Vertrauen entgegenzubringen und es uns versuchen lassen, mit Problemen alleine fertig zu werden. Und im Zuge dessen auch richtig erwachsen zu werden.

Gewissermaßen wurde er von seinem hohen Roß heruntergeholt.  Außerdem, wenn wir es auf unsere Emotionen übertragen: von himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt, vom Licht in die Dunkelheit. Schließlich fällt kaum Tageslicht in den Brunnenschacht.

Verraten und Verkauft

Ja, unser Josef hat richtig gehört. Eine Karawane nähert sich dem Brunnen, in dem er sitzt. Es geht hoch her bei den Verkaufsverhandlungen. Allerdings, wenn man so im Brunnen sitzt, da hört man eher ein Gemurmel statt klarer Worte. Josef fühlt sich immer mehr verunsichert.

Was ist denn da oben los? Ich verstehe kein Wort. Geht es um mich? Warum holen die mich nicht heraus? Sind meine Brüder überhaupt noch da? Es ist ganz schön einsam hier unten.

Da, endlich ein Lichtblick. Ich werde herausgeholt. Aber nicht von meinem Brüdern. Ich höre sie lachen, scheinen ganz weit weg zu sein. Was ist denn nur passiert? 

Der Anführer der Karawane erzählt mir, er hätte mich gekauft und wird mich in Ägypten weiterverkaufen.

Verkauft, auch das noch. Nicht nur daß sie mich von meinen hohen Roß heruntergeholt und in den Brunnen gesteckt haben, das ist ja noch o.k. gewesen. Aber verkauft? Und was werden sie meinem Vater Jakob sagen?

Josef senkt den Kopf. Er ist traurig darüber, wie seine Brüder ihn behandeln. Sie verhandeln über ihn, wie man ein Stück Vieh verkauft.

Bin ich schon so weit gesunken? Ich werde wie ein Vieh behandelt, das man zur Schlachtbank führt. Was soll das? Wo ist der Gott meiner Väter? Wo ist der Gott meines Vaters Jakob?

Nun gut, ich muß mich wohl in mein Schicksal fügen. Doch halt. Hat nicht jemand zu mir gesprochen? Was höre ich da? Was habe ich gerade gehört? Ich werde mit dir sein. Ich werde mit dir sein, so wie ich mit deinem Vater Jakob gewesen bin. Habe keine Furcht, keine Angst, alles wird gut. Denn ich habe einen wunderbaren Plan mit. Bitte vergib deinen Brüdern, denn sie sind in meine Plan, den ich deinem Urgroßvater Abraham offenbart habe, mit eingebunden, wenn auch unwissentlich. Ich habe alles unter Kontrolle. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Denn es ist alles wohlgeordnet. Halte dich zu mir. Und ich bringe dich wieder zu Ehren“

Ja, das tue ich. Der Gott meines Vaters Jakob hat zu mir gesprochen. Halleluja. Jetzt geht’s mir schon viel besser. 

Wir spüren die Zuversicht in Josef, auch in unserem eigenen Herzen bei dieser wunderbaren Zusage. Der Vater im Himmel hat einen Plan, der gut durchdacht ist.  Um mit uns zu seinem Ziel zu kommen, bindet er andere Menschen mit ein. Zumeist handeln diese sehr unbewußt im Sinne unseres Vaters.


In Ägypten auf dem Sklavenmarkt

Toll, jetzt bin ich in Ägypten. Hoffentlich komme ich da wenigstens in gute Hände. Ich habe ja schon davon gehört, daß manche Sklaven sehr schlecht behandelt werden.

Da, dieser Mann, dieser gut gekleidete Mann scheint Interesse an mir zu haben. So wie der mich befummelt, wie auf dem Viehmarkt. Da prüft man ja auch die Qualitäten des Körperbaus.

Ich scheine ja gut gebaut zu sein. Er hat wohl sehr großes Interesse an gut gebauten Menschen.

Ah ja, jetzt handelt der den Kaufpreis aus. Na immerhin, das Leben geht weiter. Und ich bin zum Glück kein Ladenhüter geworden.


In Ägypten im Haus des Potifar

Wo bin ich denn jetzt gelandet? Und wie sieht es denn hier aus? Dieses Haus braucht eine ordnende Hand. Der hat wohl sein Haus nicht im Griff.

So, hier sind wir nun. Du reihst dich ein in die Schar meiner anderen Sklaven und hilfst dort überall mit, wo du gebraucht wirst. (Rede Potifars)

„In Ordnung.“

Es vergeht einige Zeit. Und da unser Vater im Himmel mit Josef ist, gelingt ihm auch alles. Was er, Josef, anpackt, wird zum Segen für seinen Dienstherrn. Das erkennt dieser sogar und macht ihn zum Vorsteher seines Hauses.

1 Mose 39,3 Und sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war; denn alles, was er tat, das ließ der HERR in seiner                                Hand glücken,
                    4 sodass er Gnade fand vor seinem Herrn und sein Diener wurde. Der setzte ihn über sein Haus; und alles,                          was er hatte, tat er unter seine Hände.

Na, das ist ja ein Aufstieg. Und so wie sich diese Bibelstelle liest, hat Potifar auch seine eigene Frau unter die Hand Josefs getan.  Doch er ist sich und unserem Vater im Himmel treu geblieben und gewissenhaft seinen Dienst getan.

1 Mose 39,5  Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des                         Ägypters Haus um Josefs willen, und es war  lauter Segen des HERRN in  allem, was er hatte, zu Hause                         und auf dem Felde.
                   6   Darum ließ er alles unter Josefs Händen, was er hatte, und kümmerte sich, da er ihn hatte, um nichts außer                    um das, was er aß und trank. Und Josef war  schön an Gestalt und hübsch von Angesicht.

Potifar aß und trank. Was ist das für ein Dienstherr? Und er ist auch gleichgültig seiner Frau gegenüber. Möglicherweise hat diese Situation es seiner Frau leicht gemacht, den Josef zu verführen. Wer ständig isst und trinkt, der wird zumeist immer fetter und unansehnlicher von Gestalt.  In Vers 6 lesen wir, daß Josef ein durchaus attraktiver Mann ist. Welche Frau wird denn da nicht schwach und versucht ihn, für sich zu gewinnen.


In Ägypten – die Frau des Potifars

Ein ganz schönes Früchtchen, seine Frau. Wahrscheinlich war sie weit aus jünger als Potifar und schaute deshalb auch gerne nach anderen schönen Männern. Da kam ihr gerade recht, daß Josef ins Haus kam als neuer Sklave. Vielleicht hatte sie heimlich schon mit mehreren Sklaven ihres Mannes ein Techtelmechtel, eine Affäre. 

Wie dem auch sei, sie blieb hartnäckig. Und arrangierte es, daß es einen Tag gab, an dem kein Gesinde sich im Haus aufhielt. Frauen sind in dieser Hinsicht recht erfinderisch, um den Mann ins Bett zu bekommen, den sie begehren.

Doch Josef leistete Widerstand, und ging nicht auf ihre Verführungskünste ein. Er blieb auch dann noch ruhig, als sie sein Kleid in der Hand hielt. An dieser Stelle setzen wir ein, um seine Gedanken laufen zu lassen.

Zum Donnerwetter, kann sie mich denn nicht in Frieden meine Arbeit tun lassen. Was will sie denn von mir? Mein Dienstherr hat mir alles in meine Hände gegeben, nur nicht seine Frau, denn die ist ihm heilig. 

Außerdem ist der Vater im Himmel mir zur Seite. Nur ihm bin ich treu und meinem Dienstherr Potifar. Ich versündige mich nicht, indem ich eine Affäre mit der Frau meines Herrn beginne und gegen die Gebote meines Vaters im Himmel verstoße.

Wohin soll ich nur fliehen, so nackt wie ich bin. Am besten, ich verstecke mich erst einmal im Stall bei den Kühen.


In Ägypten – im Gefängnis

Wieder in einem Loch. Dabei habe ich doch gar nichts getan. Wegen ihrer Falschaussage und weil man mir nicht glaubt, bin ich jetzt wieder ganz unten. Was hat Papa im Himmel nochmals gesagt? ER wird mich in Ägypten zu neuen Ehren bringen? Da habe ich mich ja wohl verhört. So wie es aussieht, gibt es keinen Gott. Sonst hätte der mich ja vor dem Gefängnis bewahrt. Mir wird Unrecht angetan.

„Und dennoch bin ich mit dir, mein Sohn!“

Ich horche auf. Da spricht er ja wieder mit mir.

„Diene weiterhin treu und redlich, mein Sohn. Diesmal wirst du im Gefängnis dienen. Stehe dem Gefängniswärter treu zur Seite. Ich werde alles vorbereiten, um dich da herauszuholen, und dich noch weiter nach oben bringen. Alles dient zu deiner Ausbildung“

Josef nimmt seine aktuelle Situation an. Auch hier ist unser Vater im Himmel mit ihm. Und der Gefängnis


In Ägypten – im Gefängnis: Der Bäcker und der Mundschenk

Ah, neue Gefangene. Was die beiden wohl verbrochen haben?

Nach einer längeren Zeit bekommen die beiden Träume, deren Inhalt ihr weiteres Schicksal bestimmt. Diese darf Josef auslegen.  Trotz der Bitte an den Mundschenk, ein gutes Wort für ihn beim Pharao einzulegen, vergeht nochmals Zeit, bis der Pharao selbst zwei Träume hatte. Dessen Wahrsager und Weisen waren nicht in der Lage, ihrem obersten Herrn die Bedeutung zu liefern.

Da erinnert sich der Mundschenk und erzählt dem Pharao von seiner Begegnung mit Josef.


In Ägypten – vor dem Pharao 

Nanu, was ist denn jetzt los? Jetzt steh ich hier vor dem Pharao, frisch gebadet und gereinigt.

Ja, er legt ihm die Träume aus. Und zeigt ihm auf, wie er handeln muß, damit das Land gut durch die mageren Jahre kommt. Daraufhin wird Josef zum Verwalter über ganz Ägypten gesetzt. 


In Ägypten – eine neue Aufgabe und ein neuer Name

Wow, ich bin Verwalter über ganz Ägypten. Mein Herz macht da einen kleinen Freudensprung. Ich will aber lieber bodenständig bleiben und meinem Vater im Himmel weiter ein treuer Diener sein.

Und einen neuen Namen habe ich auch bekommen. Ich glaube, ich bin jetzt angekommen, in einem neuen Land. Zurück nach Kanaan zu meinen Brüdern will ich nicht mehr.

Das würde mein Vater Jakob nicht verkraften, wenn ich jetzt nach Hause zurückkehren würde. Er hält mich sicherlich schon für tot. Außerdem habe ich jetzt eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen. Da kann ich jetzt nicht weg. Ich werde jetzt gebraucht.

Wie alt mag Josef inzwischen sein? Bei seiner Ankunft in Ägypten war  er 17 Jahre. Wir zählen 2x7 Jahre dazu, dann sind wir bei 31 Jahren plus der Jahre, die er im Hause Potifars und im Gefängnis war. Schätzungsweise im Alter von 40 Jahren könnte er gewesen sein, als er zum Verwalter über ganz Ägypten eingesetzt wird, im besten Mannesalter. Falls meine Berechnung stimmt.


In Ägypten – eine eigene Familie

Jetzt bin ich endgültig angekommen. Ich habe eine Frau, zwei Kinder, d. h. zwei Söhne. Und beide machen mir Freude.


In Ägypten – Begegnung mit seinen Brüdern

Jetzt wird es spannend. Wie reagiert er auf den Besuch seiner Brüder, die gekommen waren, um Getreide einzukaufen. Sie werden ihn erst einmal nicht wieder erkennen, nicht nur weil viele Jahre vergangen sind, sondern wohl weil er ganz anders gekleidet war als sie selbst. Was denkt er, als sie vor ihm stehen?

So, so. Da sind sie ja also, meine Brüder, nur Benjamin ist nicht dabei. Nun gut. Ich werde sie hart auf die Probe stellen.

Wie er das gesagt hat zu sich selbst, zu seinem Herzen, so hat er getan. In ihrer Angst geben sie Informationen über die Familie preis. Die ganze Dramatik ihrer ersten Reise könnt ihr selbst in 1 Mose 42 nachlesen. Schauen wir uns die zweite Begegnung an.

So, jetzt ist Benjamin auch dabei. Ich werde sie erneut auf die Probe stellen. Wir wollen doch mal sehen, wie sie erneut reagieren.

Die nächste Prüfung lesen wir in 1 Mose 44. Diesmal kommt es noch härter. Sie werden des Diebstahls bezichtigt. Und das Gewissen von Juda, der der Anführer war beim „Anschlag“ auf Josef, schlägt nun durch.  Da er für den jüngsten Sohn Jakobs bürgt, gesteht er seine Schuld ein.

Dieses Schuldeingeständnis öffnet das Herz von Josef. Wie geschrieben steht, gibt er sich nun zu erkennen.  Da Juda’s Schuld nun ausgeräumt ist, das ihn sicherlich belastet hat, hat es sicherlich ein Freuden- und Versöhnungsmahl gegeben.

Josef legt seinen Brüdern nun ans Herz, den Vater und samt den Familien der Brüder nach Ägypten zu holen. Der Pharao wiederholt diese Einladung und sendet Wagen mit, damit die Frauen und Kinder nicht zu Fuß gehen müssen.

Das schwermütige Herz von Jakob wandelt sich in Freude, schließlich wurde er ohne seinen eigenen Willen von seiner Herkunftsfamilie getrennt.


In Ägypten – Wiedersehen mit seinem Vater

Ich freue mich riesig auf das Wiedersehen mit meinem Vater. Wie lange habe ich ihn schon nicht mehr gesehen? Eine ganz schön lange Zeit.

Ja, die Wiedersehensfreude ist groß. Und dem Jakobs ist es nun leichter um das Herz, da er nun weiß, daß Josef noch lebt.



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