Der Themen:

Der Betrug bei der Geburt

Der Handel mit dem Erstgeburtsrecht

Der Segen Isaaks für seine Söhne



Esau und Jakob

1 Mose 25,21-1 Mose 27

Einleitung

Bevor wir uns das Leben von Jakob anschauen, einschließlich der Menschen, mit denen er in Beziehung kommt und lebt, geht unser Blick auf ihn und seinen Zwillingsbruder Esau. Aus diesen Geschichten können wir auch für unser eigenes Verhalten wieder etwas dazu und etwas daraus lernen, so daß wir manches zukünftig anders handhaben. 

Wie bei Kain und Abel haben wir es ebenso mit zwei unterschiedlichen Brüdern zu tun. Nur daß es dieses Mal Zwillinge sind.  Schon während der Schwangerschaft von Rebekka  zeigen sich die Unterschiede. 

Die beiden machen es Rebekka nicht leicht. Warum unser Vater im Himmel gleich Zwillinge zur Welt bringen läßt, das können wir auf den ersten Blick, der erst einmal oberflächlich ist, nicht erkennen. Aber auch da steckt sicherlich wieder einmal ein genialer Plan dahinter. 

Doch wir betrachten ja unseren inwendigen Menschen. Und die Bibel ist ja auch dazu da, daß wir daraus lernen und uns erziehen lassen. Die Verhaltensweisen der Personen spiegeln vieles in uns selbst wider. Kurz gesagt: Die biblischen Geschichten sind ein Spiegel unserer Seele.

1 Mose 25,22    Und die Kinder stießen sich miteinander in ihrem Leib. Da sprach sie: Wenn mir's so gehen soll,                             warum bin ich schwanger geworden? Und sie ging hin, den HERRN zu befragen.
         23    Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich                                 scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem                      Jüngeren dienen.

Bereits vor der Geburt – medizinisch „pränatal“ – wissen die beiden offenbar,  wohin ihr Lebensweg führt. Der Ältere dient dem Jüngeren. Möglicherweise, ja sehr wahrscheinlich sogar,  haben sie sich darum gestritten, wer der Ältere und wer der Jüngere sein soll. Wenn wir darüber so weiter nachdenken und unsere Vorstellungskraft bemühen, dann kann es tatsächlich so gewesen sein..


Der Betrug bei der Geburt

Der Name  Jakob bedeutet „betrügen, bei der Ferse fassen“. Demnach hat er seinen Bruder Esau schon im Mutterbauch bzw. beim Geburtsvorgang betrogen. Denn kaum hat auch er die Welt erblickt, bekommt er schon diesen Namen.

PONS S. 250

betrügen, bei der Ferse fassen

עקב

1 Mose 25,25     Der erste, der herauskam, war rötlich, ganz rau wie ein Fell, und sie nannten ihn Esau.
         26     Danach kam heraus sein Bruder, der hielt mit seiner Hand die Ferse des Esau, und sie nannten ihn                       Jakob.

Allein schon die Vorstellung, mit meiner Hand die Ferse einer anderen Person zu halten, hat doch schon eine gewisse Bedeutung. Sonst wäre ein solches Detail in der Bibel nicht erwähnt. 

Als erstes klären wir die psychosomatische Bedeutung für die Ferse. Auf der Webseite gesundes-bewußtsein.de unter  5.7.06. Ferse & Fuß lesen wir folgendes:

Ferse und Fuß sitzen beim Stehen und Gehen fest auf der Erde auf. Sie signalisieren meine Standfestigkeit. Sie stellen meine Bereitschaft dar, im Leben Fuß zu fassen und mit dem Materiellen umgehen zu können. Sie zeigen, wie ich mit der Schöpfung verbunden bin sowie mit den Menschen, mit denen ich mein Leben teile.

Ich stehe fest in meinem Leben.

Ich bin gut im Boden verankert.

Mein Leben fußt auf meinen eigenen Grundsätzen.

Ich bin mein eigenes Fundament.

Ich bin immer gut genug.

Ich ruhe in mir selbst.

Wenn nun jemand, wer auch immer, meine Ferse hält, dann gelingt es mir wohl nicht, in meinem Leben Fuß zu fassen. Ich bin nicht verwurzelt, nicht geerdet. Im Falle von Esau sehen wir das an seiner Berufswahl. Als Jäger ist er ständig unterwegs. Jakob dagegen bleibt bei den Zelten, also bei sich selbst, beim Vater im Himmel.

Jäger. Esau ist zum Jäger geworden, weil in ihm etwas dazu treibt, ständig auf der Jagd zu sein. ER jagt. Doch was jagt er eigentlich? Jäger jagen bekanntlich das Wild, die ungezähmten Tiere.  Wir nehmen jetzt diese Erklärung und übertragen das auf unser Seelenleben. Daraus können wir folgern: wir jagen beständig den ungezähmten Teil in uns, ohne Rast und ohne Ruh. Zumindest wenn wir noch relativ jung sind. Im „gesetzteren Alter“ läßt dies jedoch nach. Zum Glück.

Schauen wir den Jakob an. Er ist bei den Zelten geblieben. Bei sich selbst. D. h. er ist zentriert, in seiner inneren Mitte. 

1 Mose 25,27     Und als nun die Knaben groß wurden, wurde Esau ein Jäger und streifte auf dem Felde umher,                                        Jakob aber ein gesitteter Mann und blieb bei den Zelten.

Welch ein Unterschied im Lebensstil. Aber wie immer: beides ist in uns. Und beide Seiten gehören zu uns. Und das sollten wir immer tun: Be-JA-hen. Sich selbst bekämpfen, das führt zu Energieverlust und ändert rein gar nichts. Also beides in Einklang bringen, in die Balance. Wie das geht? Langsam mit der Jagd nach sich selbst aufhören. Langsam damit aufhören, den ungezähmten Teil zu bekämpfen. Wobei das wirklich nur mit der Unterstützung unseres Vaters im Himmel und dessen Kraft auch tatsächlich gelingt. Ohne ihn fallen wir über kurz oder lang wieder in alte Verhaltensmuster. 

Esau, der ständig unterwegs ist und im Gegensatz dazu sein Bruder Jakob, der zuhause bleibt. Wie kann uns das gelingen, beides zu leben? Damit meine ich Zeiten des 'unterwegs seins' und Zeiten zu haben, indem ich das 'daheim sein' genieße.

Fragenblock  1 > Der Jäger Esau

·         Was treibt dich von zuhause weg, so daß du  ständig „auf Achse“ bist?

·     Welche(s) wilde(n) Tier(e) versuchst du in dir zu erlegen?

·     Was jagst du in dir?

·     Was  / wer hält dich davon ab, im eigenen Leben Fuß zu fassen?

Fragenblock 2 > Der häusliche Jakob

·         Was hält dich zuhause?

·     Was liebst du daran, zuhause zu bleiben, anstatt „auf die Piste zu gehen“?

Doch weshalb hält Jakob die Ferse seines Bruders Esau?

Jakob:   Nun, er wollte mich um die Erstgeburt betrügen. Deshalb habe ich seine Ferse festgehalten, um dafür                 zu sorgen, daß er keinen Fuß auf den Boden bekommt.

Wir:       Das verstehen wir nicht ganz. Der Offenbarung des Vaters im Himmel nach soll der Ältere                            dem Jüngeren dienen. Demnach dient nun Esau dir, denn er ist der Ältere.

Jakob:   Ich wollte einfach nicht der Ältere sein.

Wir:        Sonst hättest du dienen müssen.

Jakob:   So ist es.

Wir:       Jetzt, im Rückblick wird mir / uns einiges klar, wenn wir eure Lebensweisen betrachten. Das                      ungezähmte, wilde, raue ordnet sich, möglichst im Guten, dem bodenständigen unter.

Jakob:   So war es. Dann könnte man das mit dem Halten der Ferse auch anders interpretieren.

Wir:       Daß das ungezähmte raue und wilde uns nicht auch noch auf der Nase herumtanzt, und wir                        einen gesunden Umgang mit uns pflegen für beide Seiten in uns.

Jakob:  Außerdem: wenn bei Zwillingen einer weg ist, dann fehlt doch etwas.

Wir:       Du hast recht. Wenn wir auch nur eine Seite, einen Anteil in uns verleugnen, dann fehlt                                  irgendetwas. Zusammenfassend können wir sagen, daß wir uns be-JA-hen sollten.

 

Esau:     Nicht nur das, sondern der wilde Anteil, das die Freiheit liebt, nicht ungezügelt agieren lassen.

Wenn wir das nochmals durchdenken, ist es fraglich, ob Jakob tatsächlich zum Zeitpunkt seiner Geburt schon den ersten Betrug begangen hat. Deshalb fragen wir ihn nochmals.

Jakob:   Ja, ich habe meinen Bruder schon im Bauch meiner / unserer  Mutter betrogen. Ich hätte zuerst                           herauskommen sollen

Wir:       Was hast du ihm denn angeboten?

Jakob:   Daß er nach Herzenslust das tun kann, wonach ihm ist. Im Himmel war er schon  immer der wildere                  Teil von uns.

Wir:       Wir kommen so irgendwie nicht weiter. Der Kernpunkt, besser gesagt, es sind zwei                                          Kernpunkte, das sind das Erstgeburtsrecht und der Erstgeburtssegen. Darum wurde Esau                              auch betrogen

Jakob:   Wobei Esau schlichtweg zu allem Ja und Amen gesagt hat. D.h. beim  Erstgeburtsrecht. Das hat er                     doch ziemlich freiwillig an mich abgetreten.

Wir:       Dann schauen wir uns diese beiden Themen an.

Trotz diesem Gespräch bleibe ich doch etwas verwirrt. Das geht euch sicherlich ebenso, ich setze das einfach mal voraus. Jedenfalls bietet diese Geschichte mit Esau und Jakob genügend Stoff, um für unser eigenes Leben etwas zu lernen, auch um manches anders zu machen, sollten wir uns in ähnlichen Situationen befinden. Was bei unseren inneren Kindern sehr wahrscheinlich ist. Außerdem ist es die Sichtweise von Jakob, die wir so stehen lassen. Diese gilt es zu respektieren anstatt darauf hartnäckig zu bestehen, daß er seine Sicht  ändern muß.


Der Handel mit dem Erstgeburtsrecht

1 Mose 25,29    Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde

                   30     und sprach zu Jakob: Lass mich essen das rote Gericht; denn ich bin müde. Daher heißt er Edom.

                   31     Aber Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt.

                   32    Esau antwortete: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir da die Erstgeburt? 

                   33    Jakob sprach: So schwöre mir zuvor. Und er schwor ihm und verkaufte so Jakob seine Erstgeburt. 

                   34    Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging davon. So       verachtete Esau seine Erstgeburt.

Jakob erkauft sich das Erstgeburtsrecht mit dem berühmten Linsengericht. Und Esau hat mehr oder weniger eigentlich darauf verzichtet, weil der Hunger nach etwas essbarem größer war, als über die Konsequenzen nachzudenken.

Laßt uns anschauen, was in der Bibel an dieser Stelle über Esau steht:

·         Woher kommt er?                                  vom Feld, wahrscheinlich wieder beim Jagen gewesen

·     In welchem Zustand ist?                     müde

·     Welches Bedürfnis hat er?                  essen, weil er hungrig ist

·     Was ist sein Lieblingsgericht?           rotes Linsengericht

·     Wie fühlt er sich?                                   möchte am liebsten sterben

·     Was soll er tun?                                      Er soll schwören

·     Wie ist sein „Nachverhalten“?            Er verachtet seine Erstgeburt

In diesem Gemütszustand war Esau sehr empfänglich, um dem „Wunsch“ seines Bruders nachzukommen. Und ich bin überzeugt, wir sind es ebenso. In einem solchen Moment treffen wir eine  Entscheidung, und geben etwas aus unserer Hand, was eigentlich uns gehört. Wir tun alles, nur um dann unsere Ruhe zu haben, und unseren Hunger zu stillen.

Erst später, wenn wir wieder munterer sind, erkennen wir, welchen fatalen wir Fehler wir gemacht haben. Im Fall Esau können wir nichts mehr rückgängig machen, „das Kind ist in den Brunnen gefallen“.

Daher gilt es, schon im Vorfeld, also trotz aller Müdigkeit und großem Hunger widerstandsfähig zu bleiben und sich nicht auch durch sein Lieblingsgericht verlocken zu lassen, wie Esau es getan hat. Das können wir als Lektion für uns mitnehmen.

Doch auch ein Jakob lebt in uns, der anderen „etwas abluchst“.  Er ist wohl so schlau, daß er mit List dem Esau das Erstgeburtsrecht abnehmen und sich aneignen kann. Mir geht’s jetzt erst einmal um das „abluchsen“.  Besonders im Kindesalter können wir ja unsere Eltern gut „um die Finger wickeln“, damit wir das bekommen, was wir uns wünschen.

Fragenblock 3 > Erstgeburtsrecht / Esau

Fragen hier sind unabhängig vom Thema Erstgeburtsrecht

·         Läßt du dich gerne verlocken und zu vorschnellen Entscheidungen verführen?

·     Gibt es bereits Situationen, wo du auf ein verlockendes Angebot eingegangen bist?

·     Wie ist es dir damit ergangen und wie bist du damit umgegangen?

·     Bist du wieder aus der misslichen Situation wieder herausgekommen, wenn ja wie?

Fragenblock 4 > Erstgeburtsrecht / Jakob

·        Bist du ein Typ, der gerne anderen etwas abluchst, um es dir anzueignen?

·    Hast du schon einmal anderen etwas abgeluchst?

·    Wie ging es dir hinterher damit? Hast du ein schlechtes Gewissen bekommen oder ist dein Gewissen rein geblieben?

Nun klären wir, was das  Erstgeburtsrecht eigentlich  ist.

Erstgeburtsrecht

Die Geburt des ersten Kindes ist für die Eheleute wichtig; besonders aber die Geburt des ersten Sohnes.
Wir hören in der Jakobsgeschichte (1.Mose 27,34ff) von der Bedeutung des Erstgeburtsrechtes: Esau war einige Minuten vor Jakob auf die Welt gekommen. Aber er verkaufte das Erstgeburtsrecht an Jakob um ein Linsengericht, ohne zu bedenken, was das alles beinhaltete:

  • So war nach dem Vater der älteste Sohn (der Erstgeborene) das Oberhaupt der Familie.
  • Er erhielt auch den Geschwistern gegenüber besondere Vollmachten (1.Mose 49,8).
  • Er war nach dem Vater der Führer des Stammes und erhielt von den Gütern zweimal soviel wie die folgenden Söhne!
  • Er erhielt den "Erstgeburtssegen" (vgl. auch die Beschreibung des Erstgeburtsrechtes in 5.Mose 21,15-17).

 

Dieses Bild vom "Erstgeborenen" wird dann in der Bibel auch in die Beziehung zwischen Gott und Israel übertragen: Israel ist der erstgeborene Sohn Gottes; Pharao soll ihn ziehen lassen, sonst wird sein Erstgeborener getötet. (2.Mose 4,22).

Von Jesus wird gesagt, daß er der "Erstgeborene unter den Toten" ist (Kolosser 1,18) - und der Hebräerbrief bezeichnet ihn den "Erstgeborenen" (Hebräer 1,6). Paulus spricht von ihm als dem "Erstgeborenen unter vielen Brüdern" (Römer 8,29)
(
Quelle: läßt sich nicht mehr ermitteln, da von mir im Jahre 2010 erstellt; vermutlich aus dem Lexikon zur Bibel)

Zusammenfassend können wir sagen: Erstgeborener zu sein, das bedeutet für den ältesten Sohn der Familie, eine große Verantwortung zu tragen. ER ist Haupterbe. Und ich denke, heutzutage gibt es diese Regelung immer noch.

Der Erstgeborene soll später einmal das Familienunternehmen übernehmen und weiterführen, obwohl er das vielleicht gar nicht möchte und sogar andere Gaben und Interessen hat. 

Fragenblock 5 > Erstgeborener

·        Wie geht’s dir damit, als Erstgeborener das Familienunternehmen weiterführen zu müssen?

·    Hättest du es lieber, wenn ein anderes Familienmitglied den Betrieb leitet, damit du dich deinen eigenen Interessen widmen kannst?

·    Was machst du mit deinen Gaben und Fähigkeiten, wenn du dich um die Firma kümmern mußt?

·    Ist es dir leicht oder schwer gefallen, in die Fußstapfen deines Vaters zu treten?

·    Hast du überhaupt die Fähigkeit, einen Betrieb verantwortlich zu führen?

Fragenblock 6 > der Jüngere

·        Wie geht’s dir damit, wenn der Erstgeborene, der Älteste den Betrieb übernommen hat, du aber besser geeignet wärst, sich um das Familienunternehmen zu kümmern?

·    Wie geht’s dir damit, wenn du die Firma leitet sollst anstatt dem Erstgeborenen, weil dein Vater dich besser dafür geeignet hält, und du aber lieber das tun möchtest, was deine wirklichen Interessen sind?

Doch warum verachtet Esau sein Erstgeburtsrecht. Was ist überhaupt „verachten“? Was verstehen wir darunter?

Lt. Woxikon / Synomyme bietet sich für unseren „Fall“ folgende Auswahl an:

ablehnen, ausschlagen, gering achten, gering schätzen, nicht ernst nehmen

Er weiß es augenscheinlich ganz und gar nicht zu schätzen, der Erstgeborene zu sein. Um die Hintergründe aufzudecken, lassen wir unseren inneren Esau sprechen.

Esau:     Nun, was soll ich mit dem Erstgeburtsrecht, wenn Jakob sowieso das Familienoberhaupt wird, um den Bund  fortzusetzen.

Wir:       Vielleicht hatte das der Vater im Himmel da völlig anders gedacht.

Esau:     Und wie?

Wir:       Du als der Erstgeborene bist trotzdem das Oberhaupt, bist aber in der Position eines                                        Dienenden, was auch ein Hinweis auf Jesus ist. Er war / ist der Erstgeborene und dennoch                          hat er es sich nicht nehmen lassen, eine dienende Haltung einzunehmen.

Esau:    Aha. Und du meinst, daß ich das auch hinbekommen könnte.

Wir:       Na ja.  Eigentlich schon. Wobei wir sehen: Dir fällt es wohl sehr schwer, trotz der Position des                Erstgeborenen eine dienende Haltung einzunehmen

Esau:    Ja. Und da bin ich gerne bereitet, darauf zu verzichten. Bevor es mich innerlich so zerreißt.

Wir:      Wir können das auch so sehen, der Papa im Himmel will mit eurer Geschichte etwas zeigen.                         Wer etwas vorsteht, z.B. einer Gemeinde, einer Gruppe wie ein Hauskreis usw., muß erst einmal                 selbst das Dienen in Demut lernen, bevor in die Verantwortung eines Leiters kommt.

Vater:   So ist es. Das hatte ich eigentlich damit bezweckt. Und die Geschichte mit Jakob und Esau sollte euch ein                       anschauliches Beispiel sein.

Wir:      Gut, unser innerer Esau soll erst einmal das Dienen lernen, was zur Demut führt

Vater:   Ganz genau. Und Esau hat das verworfen. 

Aus dem Gespräch entnehmen wir, daß es unserem inneren Esau schwerfällt, sich von seiner bisherigen “wilden und ungezähmten“ Haltung zu lösen und sich unter die Hand seines jüngeren Bruders Jakob zu beugen .

Wir denken mal fiktiv und stellen uns vor, Esau würde anfangen, seinem jüngeren Bruder zu dienen. Selbst ich spüre dabei, daß in meinem Herzen sich etwas löst, es wird weicher. Der Schutz, die Panzerung hat sich abgelöst. Und ich spüre weiter, es fällt mir leichter, mich unter die Hand meines jüngeren inneren Bruders Jakob zu beugen.

Jakob:   Das ist schon mal sehr gut. Dann hätte ich ihn nicht um den Erstgeburtssegen betrügen müssen

Wir:       Was würde passieren, wenn es nur beim Ferse-halten geblieben wäre?

Esau:     Gute Frage. Ich wäre dann später bei den Zelten geblieben, während Jakob sich auf den Weg macht, seine eigene Familie zu gründen, um den                   Bund, den unser Vater  im Himmel mit unserem Großvater Abraham abgeschlossen hat.

Wir:       Was würde passieren, wenn du, Esau, das Linsengericht nicht angenommen hättest

Esau:     Dann wäre ich noch immer der Erstgeborene. Ich hätte noch alle Rechte und Pflichten eines Erstgeborenen.

Wir:       Du hättest dann inzwischen gelernt, durch das Dienen deinen „ungezähmten Anteil“ in dir zu           zähmen.

Esau:     Ganz genau.

Wir:       Wie sieht das dann bei dir aus, Jakob?

Jakob:   Ich wäre später von dannen gezogen, mit einer eigenen kleinen Herde, hätte mich bei meinem Onkel        Laban ohnehin angedient, ohne selbst wieder betrogen zu werden.

Wir:        Und die Frauen?

Jakob:   Und meine beiden Frauen wären etwas besser miteinander klar gekommen.

Wir:        Rückblickend betrachtet: Betrügen lohnt sich nicht, schließlich betrügt man sich selbst, und            wird wiederum selbst betrogen.

Jakob:  Ja, so ist es.

Wir:       Was wäre passiert, wenn du nicht zusätzlich den Erstgeburtssegen erschlichen hättest?

Jakob:  Ich hätte denselben Segen bekommen, den Isaak über mich beim Erschleichen ausgesprochen hat.        Denn die Worte kommen vom Vater im Himmel.

Wir „spinnen“ mal  „weiter“, und  stellen uns vor, Isaak hätte die Tarnung von Jakob aufgedeckt.

Jakob:   Das hätte dann ein gewaltiges Donnerwetter gegeben.

Isaak:    Ja, das stimmt. Dennoch wäre ich zum Vater im Himmel gegangen und hätte ihn gefragt, was ich tun soll?

Vater:    Du hättest dennoch dem Jakob den Segen ausgesprochen, der in der Bibel steht. Denn mit Jakob geht mein      Bund weiter. Und du wußtest das. Ich stehe trotzdem zu euch, weil ich euch liebe.  Das einzige, was ich                verurteile, das ist euer Handeln. Und dennoch: Aus euren „Fehlern“ mache ich immer noch das Beste daraus,      und alles dient zu eurem besten.

Welches Szenario wir auch nur gedanklich durchspielen, unser Vater im Himmel, führt seine Lebenspläne mit uns durch. Er kommt mit uns an sein Ziel. Und das ist die Hauptsache.

o   Planspiel bezeichnet eine Methode zur Simulation komplexer realer (soziotechnischer) Systeme. Planspiele werden häufig zu Lehr- und Lernzwecken eingesetzt.

o   Rollenspiele zur Simulation eines Gesprächs oder Konflikts zwischen zwei oder mehr Personen werden oft von Unternehmen durchgeführt, z. B. zu Schulungszwecken oder um eine realistische Einschätzung davon zu erhalten, wie der Bewerber auf eine bestimmte Arbeitsstelle eine für den jeweiligen Job typische Situation meistern würde.

(wikipedia)

An dieser Stelle kommt nun eine Aufgabenstellung für euch / für dich. Dieser Bibelabschnitt bzw. diese Geschichte ist gut geeignet, einige Szenarien durchzuspielen, um zu sehen, was passieren kann, wenn wir uns so oder so  entscheiden und handeln. Es ist eine Übung. Die Szenarien findest du nochmals zum Downloaden und Ausdrucken bei den Arbeitsblättern unter dem Titel „Planspiele (Esau und Jakob).


A             Das Erstgeburtsrecht

Szenario 1: Esau kommt hungrig von der Jagd,                                                vom Feld. Jakob bietet das Linsengericht                                      an  und  Esau geht auf das Angebot ein, sein                                Erstgeburtsrecht an ihn abzutreten.


Szenario 2:  Esau kommt hungrig von der Jagd,  vom                                      Feld. Jakob bietet das Linsengericht an,                                        aber  Esau lehnt das Essenangebot ab


Szenario 3:  Esau kommt hungrig von der Jagd, vom                                        Feld. Jakob begeht keinen Betrug und                                            erkauft sich nicht das Erstgeburtsrecht                                        und läßt Esau trotzdem von seinem                                                Linsengericht essen


Szenario 4:   Esau kommt hungrig von der Jagd, vom                                        Feld. Jakob will ihm das Erstgeburtsrecht                                    abkaufen. Esau merkt sein Ansinnen,                                            lehnt ab, bietet ihm an, über dieses Thema                                  miteinander zu reden, was Jakob ablehnt                                    und auf das Abkaufen besteht.


Szenario 5:   Esau kommt hungrig von der Jagd, vom                                        Feld. Jakob will ihm das Erstgeburtsrecht                                    abkaufen. Esau merkt sein Ansinnen,                                            lehnt ab, bietet ihm an, über dieses Thema                                  miteinander zu reden, worauf Jakob                                              eingeht und die beiden sowohl darüber als                                  auch über die Offenbarung des Vaters im                                      Himmel reden, um einen Weg zu finden,                                       wie sie damit umgehen sollen und beide                                      inneren Frieden über ihren künftigen Weg                                 haben


Szenario 6:  Esau kommt hungrig von der Jagd. Beim                          gemeinsamen Essen mit Jakob akzeptiert                      Esau, seinem jüngeren Bruder Jakob zu                           dienen, und auf diese Weise Demut zu                               lernen und sein wildes Wesen zu zähmen.                       Sein Erstgeburtsrecht bleibt ihm erhalten.                       Und  Jakob muß auch keine Angst um                             seine Zukunft haben, so daß er nicht                                 selbst  zu betrügerischen Handlungen                               verleitet  wird



B             Der Erstgeburtssegen 

Szenario 1:    Isaak merkt überhaupt nichts. Erst durch                                    Esau fliegt der Betrug auf, er reagiert so                                        wie in der Bibel beschrieben. Jakob muß                                      nach Haran flüchten, um der Rache Esaus                                   zu entgehen


Szenario 2:  Isaak merkt überhaupt nichts. Erst durch       Esau fliegt der Betrug auf, er reagiert so         wie in der Bibel beschrieben. Jakob muß       nach Haran flüchten, um der Rache Esaus zu entgehen Um die ganze Situation zu         entschärfen, setzt sich die Familie zu             einem Gespräch zusammen. Jakob sieht       sein Unrecht ein, und entschuldigt sich. Es   wird solange kommuniziert, bis eine               Lösung gefunden wird, mit der alle  zufrieden und einverstanden sind 


Szenario 3: Isaak erkennt Jakob an dessen Stimme. Der                               Betrug fliegt sofort auf.

                          Möglichkeit a) Isaak reagiert sehr sauer,                                       und wirft ihn aus dem Zelt

 

                          Möglichkeit b) Isaak reagiert milde und                                         spricht mit ihm, gibt ihm noch nicht den                                     Segen

Szenario 4:    Isaak merkt den Betrug, indem er                                                     den Unterschied erkennt zwischen dem                                       Fell einer Ziege und eines Wildtieres, das                                     erlegt worden ist.

     Möglichkeit a) Isaak reagiert sehr sauer,                          und wirft ihn aus dem Zelt

 

                              Möglichkeit b) Isaak reagiert milde und                                         spricht mit ihm, gibt ihm noch nicht den                                     Segen


Szenario 5:    Isaak merkt den Betrug trotz der                                                       Kleidung, die Jakob trägt

     Möglichkeit a) Isaak reagiert sehr sauer,                           und wirft ihn aus dem Zelt

 

                               Möglichkeit b) Isaak reagiert milde und                                       spricht mit ihm, gibt ihm noch nicht den                                     Segen


Szenario 6:  Isaak merkt den Betrug, reagiert milde,                                          ruft die Familie zusammen, um darüber zu                                  reden und besprechen das Ganze auch mit                                  dem Vater im Himmel



Das sind nur ein paar wenige Szenarien, wobei ihr ja euch gerne noch mehr ausdenken könnt. 

Fragenblock 7  > Szenarien

Lern-Ziel: ehrlich mit sich und seinem Umfeld umzugehen und einvernehmliche Lösungen                              finden

·         Wie geht’s dir in den einzelnen Szenarien?

·     Wie geht’s dir damit in der Rolle als Esau?

·     Wie geht’s dir damit in der Rolle als Jakob?

·     Wie geht’s dir damit in der Rolle als Isaak?

Spiele alle Personen in den jeweiligen Szenen durch! Du wirst sehen, es macht etwas mit dir. Es werden einige Dinge im Leben klarer, deutlicher, was bisher im Nebel lag.


Der Segen Isaaks für seine Söhne

Es gibt einen Unterschied, als Isaak seine beiden Söhne gesegnet hat. 

Segen für Jakob

Segen für Esau

Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat.
28 Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle.
29 Völker sollen dir dienen, und Stämme sollen dir zu Füßen fallen. Sei ein Herr über deine Brüder, und deiner Mutter Söhne sollen dir zu Füßen fallen. Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet

Siehe, du wirst wohnen ohne Fettigkeit der Erde und ohne Tau des Himmels von oben her.
40 Von deinem Schwerte wirst du dich nähren, und deinem Bruder sollst du dienen. Aber es wird geschehen, dass du einmal sein Joch von deinem Halse reißen wirst.

Wenn wir das in Zusammenhang bringen mit dem Plan unseres Vaters im Himmel, 

  1 Mose 25,23   Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich                                scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem                       Jüngeren dienen.

so erhalten die beiden doch den für sie passenden Segen. Esau ist der Ältere. Und er soll ja dem Jakob dienen. Da ist zum einen die Rede vom „Schwert“. Und ein Schwert wird bei Kämpfen eingesetzt.  Unser Schwert heute ist das Schwert des Geistes, das Wort unseres Vaters im Himmel. Dies gehört zu unserer geistlichen Waffenrüstung.

Esau ist folglich ein Kämpfer, ein Krieger, ein geistlicher Krieger.

Fragenblock 8 > Segen für Esau

·          Bist du ein Kämpfer, ein Soldat für den Vater im Himmel?

·     Hast du im Hinblick darauf, ebenso wenig beruflichen Erfolg in der Welt, weil es dir nicht möglich ist, die  Karriereleiter hoch zu klettern?

·     Ist es dir ebenso wenig möglich, ein geordnetes „spießiges“ Leben zu führen, weil du zum  Kämpfer des Vaters im Himmel berufen bist?

·     Fühlst du dich aufgrund dessen, weil du im Herzen für die Sache des Vaters im Himmel als Außenseiter in  der Gesellschaft?

·     Fühlst dich als Kämpfer zuweilen einsam?

·     Hast du das Gefühl, daß du als Kämpfer alleine kämpfst und keine weiteren Kämpfer an deiner Seite  stehen?

·     Mußt du dir immer alles erkämpfen und erstreiten?

·     Hast du das Gefühl, daß du keinen Fuß fassen kannst im Leben, keine Standfestigkeit?

·     Lebst du stets von der Hand in den Mund, weil dir nicht vergönnt ist, aus der Fülle zu leben?

·     Kämpfst du mit dem Schwert des Geistes (Wort Gottes) oder mit menschlichen Mitteln?

Unser innerer Jakob ist das vollkommene Gegenteil. Ihm scheint alles „zuzufliegen“ wie im Schlaraffenland. Er hätte es ja, die Geschichte rückblickend betrachtet, nicht nötig gehabt, sich den Erstgeburtssegen zu erschleichen und seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht abzukaufen.

Fragenblock 9 > Segen für Jakob

·        Bist du eher der Typ, dem alles „zufliegt“?

·    Wie geht’s dir damit, wenn du aus der Fülle leben kannst, während dein innerer Bruder Esau neben dir von der Hand in den Mund leben muß?

·    Kannst du deinen inneren Esau ebenbürtig neben dir leben lassen, und ihn teilhaben lassen an der Fülle, aus der du lebst?

·    Kannst du es mit deinem Gewissen vereinbaren > im Blick auf unsere äußeren Esaus neben / unter uns <, daß diese weiterhin aus der Hand in den Mund leben?

·    Bist du bereit, die äußeren Esaus an der Fülle teilhaben lassen, aus der du lebst, damit sie ebenbürtig mit dir Seite an Seite leben können?

Wir sind zunächst einmal die Esaus, innerlich. Das gilt es zu be-JA-hen.  Sichtbar wird das, wenn wir alle Energie aufwenden, um endlich Anerkennung / Resonanz und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu bekommen. Doch ist das der Wille unseres Vaters im Himmel, die Jagd nach Anerkennung von unseren Nachbarn, Freunden, Kollegen, Familie?

Schließlich ist es doch legitim, Lob und Anerkennung zu erhalten. Nur, wer nicht ins System passt, ins System dieser Welt, der wird ignoriert, nicht beachtet. Und selbst wenn mal kurz ein Lob kommt. Wieviel Wert hat dieses Lob, vor allem, wenn überhaupt keine weitere Resonanz kommt? Ist das Lob für unsere innere Esaus wirklich ernst gemeint.

Wie kommen wir zu einer inneren Balance? Leben aus der Fülle, das bedeutet Leben aus Gott, leben aus dem Vater im Himmel. Auch wenn wir Kämpfer sind. Geht das? Dazu müssen wir wohl unsere eigenen inneren Widerstände überwinden. Und nicht auf die äußeren Jakobs schauen, die im Wohlstand leben und erfolgreich mit beiden Füßen im  Leben stehen, und auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

An dem äußeren gesellschaftlichen teilnehmen zu können, das bleibt uns Kämpfer wohl irgendwie verwehrt. Da gibt es nach wie vor Widerstände. Trotzdem ist es möglich, ein Leben aus der Fülle, der Fülle aus dem Vater im Himmel zu leben.  

Wie das geht, gehen soll, fragst du dich? Nun, an dieser Frage bin ich auch dran. Es fällt mir zuweilen selbst schwer, vor allem wenn ich sehe, daß mein Umfeld einer geregelten Arbeit nachgehen, ihre Beziehungen pflegen, was für manche von uns nicht so einfach ist. Hier ist wohl der Wille des Vaters im Himmel für das eigene Leben gefragt. Manch einer muß ganz und gar ohne Beziehungspflege auskommen, um für den Vater im Himmel wirklich zu 100% einsatzfähig zu bleiben. Viele Beziehungen oder Teilnahme am Gesellschaftsleben lenkt uns vom Auftrag ab, den der Vater im Himmel für uns hat.

Es gilt wirklich, auch wenn ich es wiederhole: wir müssen es BE-JA-HEN, das Lebens, die Lebensweise, die unser Vater im Himmel für uns vorgesehen hat. Auch wenn es uns zuweilen schwerfällt.  Und trotzdem müssen wir auch nicht mehr hinterher jagen. Wir bitten den Vater im Himmel, daß er uns hilft, unsere Augen zu verwandeln. Und zwar dahingehend, daß sie nicht mehr begehren die Güter  und den Lebensstil der Welt. 

Außerdem: Wir fangen mit uns selbst an: unser innerer Esau söhnt sich mit seinem inneren Jakob aus. Aussöhnung / Versöhnung und einander bejahen. So bekommen wir auch dieses Joch von uns weg. Doch was ist unser Joch? 

Lt. Lexikon zur Bibel S. 623/624

Am häufigsten wird das Joch als Bild der Herrschaft verwendet. Joch bedeutet aber nicht die ungerechte oder fremde Herrschaft, die zu schwer und zu hart ist, um ertragen werden zu können (1 Kön 12,4; Jes 47,6), sondern ebenso die gerechte und sanfte Herrschaft Gottes (Mt 11,29f)

Auch Paulus warnt die Gläubigen davor, mit Andersartigen, nämlich Ungläubigen, im selben Joch zu ziehen (2 Kor 6,14). Die Arbeits- oder Lebensgemeinschaft mit Ungläubigen darf nicht zum Joch werden, d. h. dahin führen, daß der Gläubige in seinem Handeln von den ungöttlichen Maßstäben des anderen abhängig wird.

 

Das Joch konnte aber auch positiver verstanden werden, nämlich als konsequentes Beachten der Weisheit Gottes (Sir 6,24-32). Diese Bedeutung meint Jesus wohl, wenn er dazu aufruft, sein Joch, das nicht zu schwer ist, auf sich zu nehmen (Mt 11,19): Es besteht in seiner Lehre.

Bevor wir untersuchen, was unser Joch ist, klären wir zuerst, was das Joch für Esau ist, von dem er sich später befreien wird. Es ist das Joch von seinem Bruder Jakob, dem er dienen soll. Davon reißt er sich los.

2 Könige 8,20    Zu seiner Zeit fielen die Edomiter von Juda ab und setzten einen König über sich.

Er  will also selber herrschen und nicht mehr dienen, sich nicht mehr unterordnen. So geht’s uns doch genauso, nicht wahr? Wer ordnet sich schon gerne unter, um sich herumkommandieren zu lassen? Er regiert sich selbst, lebt ohne Beziehung zum Vater im Himmel. Die Konsequenzen stehen an verschiedenen anderen Bibelstellen. Seine Nachkommen bekommen  vom Vater im Himmel immer wieder ein Strafgericht zu spüren.

Nehmen wir mal an, wir lösen uns aus dem Joch Jakobs, was würde dann passieren? Ich vermute mal, jeder von uns wäre weiterhin auf dem Kriegspfad. Unser ungezähmtes Wesen bekäme möglicherweise Auftrieb und wir wenden uns gegen Jakob, gegen den Vater im Himmel. Wir leben zügellos und verwildern bzw. verwahrlosen. 

Das Joch von Jakob hat auch seine Vorteile. Wir leben zivilisiert, geordnet und bekommen trotzdem etwas ab vom Segen. Zudem würde beiden Seiten etwas fehlen. Verlassen  wir das Joch Jakobs, so legen sogar eher das Joch der Welt auf, und werden abhängig von ihrem widergöttlichem Handeln bzw. Maßstäben. 

Bevor wir das Joch Jakobs verlassen, von uns reißen, sollten wir über die Folgen nachdenken, und das Für und Wider beider Seiten überdenken. Und solltest du dich gegen das Joch Jakobs entscheiden, so hält der Vater im Himmel dich nicht zurück. Schließlich haben wir einen freien Willen. Doch sei getrost, er hält trotzdem nach dir Ausschau und läuft dir entgegen, falls du es dir anders überlegst und wieder zu ihm nach Hause zurückkehrst.

Fragenblock  10 > Joch

·         Welches Joch liegt auf dir?

·     Bist du bereit, das Joch Jakobs, das auf dir liegt, weiterhin zu tragen?

·     Oder verläßt du sein Joch und legst dir das Joch der Welt auf?

·    Zu welchen Ergebnissen kommst du, wenn du die jeweiligen Vor- und Nachteile einander gegenüberstellst?

o   Was spricht für, was spricht gegen das Joch Jakobs?

o   Was spricht für, was spricht gegen das Joch der Welt?

·     In welchen Bereichen stehst du noch unter dem Joch der Welt?

·     Welche Bereiche deines Lebens hast du schon unter das Joch Jakobs gebracht?

Laßt uns nun an dieser Stelle den Segen für Jakob anschauen:

·         Tau des Himmels

·     Fettigkeit der Erde

·     Korn und Wein die Fülle

Was ist wohl damit gemeint?

·         Mit dem Tau des Himmels ist der Regen gemeint.

o       Lexikon zur Bibel S. 960: nur reichliche und regelmäßige Regenfälle bringen Fülle und Fruchtbarkeit (Ps 65,10-14). Darin erkennt der Israelit sehr deutlich seine Abhängigkeit vom Herrn, der allein regnen lassen kann (Ps 147,8; Jer 14,22). Regen ist Segen Gottes (Hes 34,26f; Mal 3,10) und ebenso Bild für seine geistlichen Gaben (Jes 55,10; Hos 6,3; 10,12), Dürre aber bedeutet sein Gericht. (5 Mo 11,17; 28,23; Hag 1,10f).

·         Fettigkeit der Erde

o       Lexikon zur Bibel S. 339: Fett steht auch im übertragenen Sinn für das Beste und Vorzüglichste einer Sache (1 Mo 45,18; Jes 25,6; 55,2)

·         Korn und Wein die Fülle

o     Das Korn, das Samenkorn ist, wie bekannt, das Wort Gottes, das vielfältige Frucht

o   Wein ist im übertragenen Sinn ein häufiges Bild für geistliche Kräfte und Gaben (spr 9,2; Jes 55,1), aber auch für die durch Gottes Gericht bewirkte Verblendung und Verwirrung (Jer 25,15f) > Lexikon zur Bibel S. 1245

Bei diesen Aussichten sollten wir uns zweimal überlegen, ob wir als Esaus das Joch Jakobs von uns reißen, und lieber unser eigener Herr sein wollen. 

Die Rocklegende Udo Lindenberg bringt es in seinem Lied „Hinterm Horizont“ auf den Punkt:

 

Hinterm Horizont geht's weiter
Ein neuer Tag
Hinterm Horizont immer weiter
Zusammen sind wir stark!

Das mit uns ging so tief rein
Das kann nie zu Ende sein

Wenn wir hinter unserem eigenen inneren Horizont schauen, merken wir doch: Nur zusammen sind wir stark. Im Team. Als Einzelkämpfer sind wir schnell ausgelaugt. Wenn wir unsere Kräfte, Energien bündeln, erreichen wir viel mehr.

Sind wir alleine in der Welt unterwegs, damit meine ich alle, die keine „äußeren“ Beziehungen pflegen, so wie es die Welt tut, so schließen wir uns mit dem Vater im Himmel, seinem Sohn Jesus und seinem Geist zu einem Team zusammen, das niemand auseinanderbringen kann. Desweiteren stehen uns zu jeder Tag- und Nachtzeit seine Engel zur Unterstützung in allen Lebenslagen bereit. 

So gesehen tun wir es lieber nicht, das Joch Jakobs, das auch das Joch Jesu ist, zu verlassen. Und ich schließe dieses Kapitel mit der Liedzeile: 

Zusammen sind wir stark!



Copyright:  Silke Maisack